Spaniens Himmel über Manhattan

Kurzvortrag und Film
Frank Dittmeyer (Geschichtswerkstatt Oberhausen)
Spaniens Himmel über Manhattan
Harry Fisher und seinen Comrades

“Krieg ist niemals etwas Herrliches, niemals ein Abenteuer. Krieg ist im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle.
Es hätte wohl keine gerechtere, ehrenhaftere Sache als die unsrige in Spanien geben können. Aber auch in einer noch so edlen Form ist der Krieg ein Grauen (…).Und so stehe ich vor der Frage: Welches ist das größere Übel – Faschismus oder Krieg?
Die Antwort für mich war und ist: Faschismus”
(Harry Fisher)
Aufgewachsen in einer proletarischen jüdischen Familie in Brooklyn -N.Y. entwickelte sich Herschel “call me Harry” – Fisher über Gewerkschaftsaktivitäten, unter anderen in der “Young Communist League (YCL)”, zum Kommunisten.
“1934 begann ich mich für internationale Angelegenheiten zu interessieren, speziell für das, was sich in Deutschland tat. Hitler war an der Macht, und die Nazischergen wüteten. Damals (…) sahen wir Bild- und Filmnachrichten in den Wochenschauen der Kinos. Bis heute erinnere ich mich der erschreckend nahen und grauenhaften Szenen, die SA-Männer mit dem Hakenkreuz auf dem Ärmel zeigten, wie sie Juden aus ihren Geschäften zerrten, sie anspuckten, verhöhnten und mit ihren glänzenden Stiefeln traten.”
“Die Kommunistische Partei rief damals dazu auf, Unterstützung für den Kampf gegen den Faschismus in Spanien zu leisten. 30 % der Lincoln-Brigade waren Juden. Ich selbst bin jüdisch, allerdings nicht religiös. Ich war entsetzt darüber, was ich (…) über Nazi-Deutschland las. (…). Als in Spanien die Faschisten eine demokratisch gewählte Regierung stürzten, wollte ich endlich handeln, etwas Praktisches tun, um diesen Wahnsinn zu verhindern. Ich bin zwar Pazifist, aber ich wollte aktiv dazu beitragen, den Faschismus zu bekämpfen.”
1937/38 stritt Fisher gemeinsam mit 2800 anderen US-Amerikanern im Abraham-Lincoln-Bataillon auf der Seite der Republik gegen den Franco-Faschismus in Spanien .
Die Lincoln Brigade, unter stalinistischer Führung (deren unrühmliche Rolle im Film allerdings nicht thematisiert wird) vereinigte Kommunisten, Sozialisten, Parteilose und Anarchisten unter einem Dach. Zwischen achtzig und hundert schwarze Soldaten, unter ihnen der erste schwarze Kommandeur Oliver Law, waren beteiligt.
Nach der Niederlage der republikanischen Seite kehrte Fisher unter schwierigen Umständen in die USA zurück.
Damit war allerdings der antifaschistische Kampf für ihn und viele seiner Genossen nicht beendet. Als Bordschütze auf einem B-26 Bomber einer US Army Einheit nahm er später an der Befreiung Europas vom Nazifaschismus teil.

Im Frühjahr 2001 war Harry Fisher auf Deutschland-Tour und stellte sein Buch “Comrades” vor. Bei einer Lesung in Oberhausen traf er den Historiker Frank Dittmeyer und es entstand ein erster lockerer Kontakt.
Im November 2001 meldete sich eine Frau, die ihren verstorbenen Mann auf einem der Fotos in “Comrades” erkannt hatte. Dieser hatte, nachdem er 1928 in die USA ausgewandert war, mit den Lincolns in Spanien gekämpft, wurde anschließend interniert und kehrte 1946 nach Frankfurt zurück. Die Frau bat, den Nachlass ihres Mannes dem amerikanischen Archiv der Lincoln-Brigade zu übergeben.
Bei dieser Gelegenheit besuchten die Autoren des Films Harry Fisher 2002 in New York. Auf dem Jahrestreffen der Veteranen der Abraham-Lincoln-Brigade in Manhattan trafen sie auf weitere US-amerikanische Spanienkämpfer. Sie erzählten ihre Geschichte, aus der Zeit vor und nach dem spanischen Bürgerkrieg.
Der Film dokumentiert Harry Fishers bewegtes Leben wie auch dessen politisches Umfeld und richtet seinen Focus dabei auf die Ereignisse in Spanien Ende der 30er Jahre.
Am Ende des Film nimmt Fisher kurz zu den islamistischen Anschlägen auf das World Trade Center Stellung und kritisiert die militärischen Maßnahmen der USA, die den Anschlägen in New York im Kampf gegen den Terror folgten. Warum es aus Sicht Fishers richtig war, mit der Lincoln Brigade in Spanien gegen den Faschismus und selbstverständlich auch, im Rahmen von Einheiten der US Air Force, gegen Nazi- Deutschland, zu kämpfen, sich aber wider militärische Maßnahmen gegen den Faschismus des Baath Regime zu wenden, bleibt eine Widersprüchlichkeit, die Fisher selbst nicht mehr auflösen kann. Er verstarb im Jahr 2003.

Zitate aus:
1) Harry Fisher: “Comrades – Bericht eines Interbrigadisten im spanischen Bürgerkrieg” 2001
2) Terz – Stattzeitung für Düsseldorf: Interview mit Harry Fisher
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Di. 12.04.2005, 20.00 Uhr, HundertMeister Duisburg

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