FC Hollywood – Lackstiefelclub

Alex Feuerherdt – Bonn
FC Hollywood – Lackstiefelclub
Über deutsche und linksdeutsche Ressentiments gegen den FC Bayern München

Gewiss, Bayern München ist der größte und titelträchtigste deutsche Fußballverein mit den meisten Mitgliedern und Fans. Doch wer den Klub nicht verehrt, hasst ihn aufrichtig und gehört damit zu einer Mehrheit, die sich jedoch – typisch deutsch – einbildet, eine machtlose Minderheit zu sein. Eine Minderheit nämlich, die es mit Proletenromantik hält, ein Blut-Schweiß-und-Tränen-Ideal pflegt, auf biergeschwängerte Vereinsheimidylle steht und den guten, alten Zeiten hinterhertrauert, in denen die Spieler noch ehrlich, der Sport noch sauber und die Welt frei von Kommerz war.
Das ultimative Feindbild dieser antiliberalen und romantizistisch-reaktionären Träumer ist der als „FC Hollywood“ geschmähte Münchner Verein, weil er erfolgreich ist und dieser Erfolg angeblich ausschließlich dem vielen Geld zu verdanken ist, das der Verein besitzt, zu dem er scheinbar mühelos und ohne Arbeit gekommen zu sein und das sich wie von selbst zu vermehren scheint, während andere Klubs darben und ständig um ihre Existenz kämpfen müssen. Nicht das tatsächlich Negative, das abstrakte, das objektive Kapitalverhältnis ist Gegenstand der Kritik; nein, das Abstrakte wird konkretisiert und personalisiert im „Lackstiefelclub“ FC Bayern München, um es sodann austreiben zu können. Geradezu prototypisch für diesen deutschen Antikapitalismus steht die Düsseldorfer Popgruppe „Die Toten Hosen“, die in ihrem Anti-Bayern-Song so ziemlich alle gängigen (links-) deutschen Ressentiments von der Leine gelassen hat.
Genau diese Ressentiments stehen im Mittelpunkt des Vortrags von Alex Feuerherdt. Es soll erörtert werden, inwiefern der Hass auf den FC Bayern – bereits von den Nazis als „Judenklub“ bezeichnet – heute immer noch antisemitische Züge trägt, warum der FCB gewissermaßen die USA der Fußball-Bundesliga ist (und sich auch klassisch antiamerikanische Stereotypen gegen ihn entladen) und wie der Kampf der deutschen Kiezmiliz gegen den kosmopolitischen Klub aussieht.

Veranstaltet von: Antifa 3D, Fanprojekt Duisburg, Hannah Arendt Bildungswerk Essen, Sportstudio HundertMeister

Do. 15.12.2005, 20.00 Uhr, HundertMeister Duisburg, Eintritt frei

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