Der Extremismus der Israelsolidarität
und die Mitte der Gesellschaft

Donnerstag, 29. November 2012, 20:00 Uhr, DJäzz Duisburg
Eintritt € 3,–

JUSTUS WERTMÜLLER (Redaktion ›Bahamas‹, Berlin)
Vortrag & Diskussion

Seit über zehn Jahren versuchen Gruppen und Einzelpersonen den in Deutschland und darüber hinaus in Europa um sich greifenden Antisemitismus auf seinen brandgefährlichen Nenner zu bringen und anzuprangern: Die sogenannte Israelkritik. Ob sie es wollten oder nicht, sie haben sich damit an den Rand der Gesellschaft gestellt. Die Mitte der Gesellschaft, so scheint es, ist an dem Pol zu verorten, wo sich ganz links und ganz rechts treffen. Aggressor gegen das Völkerrecht, Kriegsverbrecher, Bedrohung für den Weltfrieden, das ist Israel längst nicht mehr nur für Nazis und Linksradikale, sondern in den Augen der überwiegenden Mehrheit der Deutschen allemal. Und wenn die dortige Regierung etwas richtig zu stellen versucht, dann durch Totschlagargumente oder mittels der sog. Auschwitzkeule. Auch diese offen mit der Wiederholung deutscher Untaten drohenden Abweisungen jüdischer Erpressungen sind schon lange nicht mehr einem Dieter Kuntzelmann von der APO vorbehalten, der 1967 aus Solidarität mit dem von Israel mit der Auslöschung bedrohten palästinansichen Volkes das jüdische Gemeindezentrum von Berlin samt Gemeinde in die Luft jagen wollte, und auch nicht mehr allein Sache eines längst untergegangenen Bundes freier Bürger, der Anfang der 90er Jahre mit Transparenten gegen das Holocaust Denkmal durch die Straßen Berlins zog, auf denen zu lesen stand: »Deutsche wollt ihr ewig zahlen?«
Extremismus, so durfte Justus Wertmüller im Sommer von der Leitung der Universität Rostock erfahren, gehe nicht von den links- oder rechtsradikalen freien Bürgern Deutschlands aus, sondern von ihm, der auf Einladung der Hochschulgruppe der Deutsch Israelischen Gesellschaft einen Vortrag »über den Stand der Israelsolidarität« in einem Hörsaal halten wollte. Er sei schon mehrfach durch verfassungsfeindliche Äußerungen aufgefallen und sei dem »linksextremen« antideutschen Spektrum zuzuordnen, soll das Landesamt für Verfassungsschutz von Mecklenburg-Vorpommern den Universitätsbehörden mitgeteilt haben. Über den Linksextremismus von sogenannten Antideutschen erfährt man aus dem Netz, dass es sich bei ihnen allen und keineswegs nur bei Wertmüller gar nicht um Linke, sondern um Neoliberale und Bellizisten handele. Aus Duisburg weiß man, dass es extremistisch sein kann, eine israelische Fahne aus dem Wohnzimmer zu hängen. Sollte gerade ein palästinensischer Umzug draußen vorbeilaufen, ist mit einem Rollkommando der Polizei zu rechnen.
Der Verfassungsschutz, der da tätig wird, ist nicht nur in den zuständigen Landesämtern beheimatet. Er wacht in den Redaktionsstuben der sogenannten Qualitätszeitungen und den Deutschlandstudios der Rundfunkanstalten, in den politischen Parteien und unter Professoren und Nobelpreisträgern über die richtige Gesinnung.
Wer es trotzdem mit Israel halten will, muss sich eingestehen, dass er längst draußen ist: Aus dem Hörsaal und aus dem »Diskurs«, aus jeder seriösen öffentlichten Meinung und honorigen Vereinigungen. Kein Genosse Trend macht es ihm oder ihr möglich, einmal die Linke zu dominieren oder im konservativen Spektrum auf Verständnis zu stoßen. Statt nun daraus für sich die Aufgabe abzuleiten, auf die verwaltete Öffentlichkeit zu verzichten und aus der Not, dass man in der Mitte der Gesellschaft nie gelitten sein wird, die Tugend zu machen, die gebotene Kritik ohne Rücksichtnahmen auf die Befindlichkeiten von nicht vorhandenen Bündnispartnern zu formulieren; statt also mit dem verratenen Projekt »Gegenöffentlichkeit« endlich einmal ernst zu machen, geben sich viele Freunde Israels selber davon überzeugt, dass in den eigenen Reihen ein Extremismus-Problem zu beobachten sei, das einen immer wieder aus dem Rennen um die Gunst der Öffentlichkeit werfe.

Eine Veranstaltung des Bündnis gegen Antisemitismus Duisburg und der Antifa D-Day Duisburg.

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